Großes Optimierungspotenzial durch aktuelle Maschinen-Daten bei STRABAG

Als einer der größten europäischen Baukonzerne betreibt Strabag SE einen Maschinen und Fuhrpark, der rund 200.000 Einzelpositionen umfasst. Schritt für Schritt wird nun ein Telematik System implementiert, mit dem die wichtigsten Maschinen-Daten aktuell verfügbar sind. Ein komplexes Vorhaben, bei dem sich Rosenberger Telematics als kompetenter Partner positionieren konnte und bei dem vor etwa einem Jahr der Rollout startete.

Mit einem dichten Netz aus Tochtergesellschaften in vielen europäischen Ländern bzw. auch auf anderen Kontinenten deckt Strabag SE sämtliche Bereiche der Bauindustrie ab und beschäftigt mehr als 75.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Innerhalb des Konzerns übernimmt die Strabag BMTI als maschinentechnische Servicedienstleisterin die konzerninterne Disposition, Vermietung, Wartung, Instandhaltung und Instandsetzung aller Baumaschinen und Fahrzeuge. Dazu verfügt die Strabag BMTI länderübergreifend über ca. 150 Werkstätten und beschäftigt ca. 2.500 Personen. Rund 600 Servicefahrzeuge unterstützen die Kollegen auf den Baustellen in den Bereichen Wartung und Reparatur. Im Hinblick auf das nun laufende Telematik-Projekt baten wir Mag. Michael Heiden, MBA (Bereichsleiter Qualitätsmanagement, IT-Koordination und Unternehmensentwicklung, Strabag BMTI) und Ing. Christian Meschnig. (Chief Executive Officer, Rosenberger Telematics GmbH) zum Gespräch.

Herr Mag. Heiden, können Sie uns kurz einen Überblick über die Entwicklung des Telematik-Projekts geben?

Heiden: Wir haben vor etwa 10 Jahren begonnen, uns grundsätzlich mit dem Thema Telematik zu beschäftigen. Über viele Jahre haben wir eine Eigenentwicklung vorangetrieben, die das Ziel verfolgte, möglichst viele Daten verfügbar zu haben. Dieser Ansatz hat allerdings nicht den erwarteten Erfolg gezeigt. Daher habe ich mich, als ich 2017 mit der Verantwortung für dieses Projekt betraut wurde, zunächst einige Monate mit den am Markt befindlichen Systemen vertraut gemacht. Eines der Hauptprobleme war die Skalierbarkeit, denn unser Wunsch, mehrere tausend Geräte einzupflegen, hat oft Probleme mit der dahinterliegenden Datenbank und der Software-Performance verursacht. Dazu kommt, dass unsere Hierarchiestufen und Organisationseinheiten mit den jeweiligen Zugriffsrechten abgebildet werden mussten. Die Vorgabe war und ist immer noch, dass wir ein herstellerunabhängiges System haben wollen, mit dem wir alle unsere Baumaschinen, Geräte und Nutzfahrzeuge in einem Portal darstellen können – und zwar ohne in unterschiedliche Herstellerportale einsteigen zu müssen. Im Gegensatz zum ersten Ansatz, bei dem wir möglichst viele Daten erheben wollten, haben wir uns nun auf drei zentrale Informationen fokussiert: Position, Auslastung und Treibstoffverbrauch. Etwa zur gleichen Zeit hat sich die Baumaschinenindustrie auf die AEMP 2.0 Schnittstelle geeinigt, die auf der ISO 15143-3 basiert, über die von den Herstellern zahlreiche Daten in einem bestimmten Format zur Verfügung gestellt werden. Wir verwenden davon, wie schon erwähnt, die drei Gruppen Position, Auslastung und Treibstoffverbrauch. 

In Kooperation mit Rosenberger Telematics haben wir heute über diese Schnittstellen Zugriff auf einen Großteil unserer Maschinen, die wir seit 2015 mit Hersteller-Telematik ausrüsten. Überall dort, wo herstellerseitig keine Telematik vorhanden ist, rüsten wir sehr selektiv – je nach Gerätegruppe – mit bestimmten Produkten von Rosenberger Telematics nach. Immer mit dem Ziel, die drei genannten Werte von der Maschine zu bekommen. Aktuell haben wir fast 3.000 Geräte im System erfasst und rechnen mit einem starken Anstieg, weil jetzt auch Nutzfahrzeuge und Kleingeräte verstärkt eingebunden werden. Ich vermute, dass wir bereits in den nächsten zwei Jahren die 10.000er Marke knacken werden. Unsere Zielsetzung ist es, in einem ersten Schritt vor allem die Großgeräte mit einer Telematik-Einheit auszurüsten. Bei den Schlüsselgeräten sprechen wir, je nach Definition, von bis zu 18.000 Geräten in 16 Ländern mit Schwerpunkt in Europa. Natürlich wollen wir aber auch kleinere Maschinen entsprechend ausrüsten. Anmerken möchte ich noch, dass die Basis für die Verwendung der Systeme natürlich eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat bildet.

Von links: Ing. Christian Meschnig (Chief Executive Officer, Rosenberger Telematics GmbH), Mag. Michael Heiden, MBA (Bereichsleiter Qualitätsmanagement, IT-Koordination und   Unternehmensentwicklung, Strabag BMTI) und DI Dominik Stockhammer (Technischer Regionalleiter OÖ/SBG Nord, Direktion AT/Adria/CH/SOE, Strabag BMTI GmbH).

Wie kam es zu der Kooperation mit Rosenberger Telematics?

Heiden: Aufmerksam geworden bin ich auf das System durch die Einbau-App des Unternehmens, denn eines der zentralen Probleme in der Frühphase war die nicht vorhandene Qualitätssicherung beim Einbau der Telematik-Einheiten. In der Folge haben viele Geräte nicht oder nur fehlerhaft gesendet. Die ersten Gespräche führten wir im Herbst 2017, nach einer Evaluierungsphase haben wir uns im Oktober 2018 für Rosenberger Telematics entschieden. Im Anschluss haben wir ein halbes Jahr an unternehmensspezifischen Anpassungen für Strabag gearbeitet und seit dem Sommer 2019 rollen wir das System aus.

Meschnig: Zu der erwähnten Einbau-App möchte ich ergänzen, dass es sich dabei um eine Service App handelt. Wir haben diese schon früh entwickelt, weil Reklamationen aufgrund von nicht ordnungsgemäß durchgeführten Einbauten bei externen Werkstätten häufig bei uns als Hersteller landeten. Die App ist modular und flexibel aufgebaut und kann dadurch rasch angepasst werden. Der Techniker, der den Einbau vornimmt, wird Schritt für Schritt durch die Installation geführt. Im Hintergrund beginnt bereits der Datenaustausch zwischen der Telematik bzw. der Maschine und dem Server des Kunden. Dadurch sind auch bereits erste Checks möglich, etwa die Korrektheit der Inventarnummer oder ob bereits eine nicht registrierte Telematik-Einheit verbaut ist. Fotos von den Einbaudetails und eine Gesamtansicht der Maschine werden in die Dokumentation implementiert und dienen zum Aufbau der Wissensdatenbank bzw. ermöglichen weitere Checks. Zentrales Element in dem Ablauf ist die vollautomatisierte Diagnose bei laufendem Gerät und bei Empfang des GPS-Signals. Diese Diagnose ist die finale Bestätigung für den korrekten Einbau.

Mit Hilfe der Einbau-App der Firma Rosenberger Telematics wird die korrekte Installation des Telematik-Systems sichergestellt, dokumentiert und die Funktionsweise geprüft.

Ist alles positiv abgeschlossen, wird der Bericht bestätigt und von einem Prüfer des Kunden kontrolliert. Schlussendlich wird das Dokument des erfolgreichen Einbaus als PDF vollautomatisch den Maschinendokumenten hinzugefügt. Der Vorteil dieser Lösung: wir können für jedes Produkt eine eigene Einbauanleitung definieren, in verschiedenen Landessprachen und für verschiedene Kunden unterschiedlich gestaltet. Die App steht internen und externen Fachwerkstätten zur Verfügung, wobei der jeweilige Techniker durch den Kunden eingeladen wird und ab diesem Zeitpunkt über die Berechtigung verfügt, gewisse Produkte zu verbauen. Diese Berechtigung kann auch wieder entzogen werden.

Können Sie uns die Komponenten des Telematik-Systems kurz skizzieren?

Meschnig: Die Hardwareseite gliedert sich in verschiedene Produktgruppen. Das Spektrum reicht von energieautarken Anwendungen für Container oder Auflieger über Lösungen für Lkw, Pkw und Servicefahrzeuge bis hin zur Linie für Baumaschinen und schweres Gerät mit dem Namen Robusto. Zusammengefasst werden die Daten dieser Produktgruppen in einer Software namens Commander. Der Commander sammelt und harmonisiert die verschiedenen Protokolle und Signale aus den einzelnen Herstellersystemen, regelt die Zugriffsberechtigungen der User und das Device Management, integriert die Einbau-App und sorgt für die Visualisierung in der Oberfläche. Über eine Schnittstelle zu den Strabag-Stammdaten, übernehmen wir  beim Anlegen einer neuen Maschine auch die Kostenstelleninformationen oder die Einordnung in die Baugeräte-Gruppenliste. Diese bauen sich strukturiert und vollautomatisiert im Commander auf und definieren die Zugriffsrechte.

 

Wir verfügen über zwölf Jahre Erfahrung in der Telematik und sind Teil der Rosenberger-Gruppe, die als bayrisches Familienunternehmen mit mehr als 11.300 Mitarbeitern seit über 60 Jahren ein weltweit führender Hersteller von Verbindungslösungen (Steckverbindungen) in der Hochfrequenz- und Fiber- Optik-Technologie ist. Aus der hauseigenen Telematik-Hardware, die innerhalb der Rosenberger-Gruppe ausschließlich in Europa produziert wird, und unserer Software entwickeln wir hochflexible Gesamtlösungen, die durch Übersichtlichkeit und einfache Nutzbarkeit überzeugen.

 

Welche Technik kommt bei den Klein-Geräten zum Einsatz?

Meschnig: Die zentrale Frage ist hier: Was ist der Wert der Information bzw. was kostet mich die Information im Verhältnis zu den Gerätekosten? Überall dort, wo die Investition in ein Telematik-System nicht wirtschaftlich ist, setzen wir auf Bluetooth Beacons. Diese verbinden das Klein-Gerät über eine Distanz von bis zu 100 m mit dem nächsten Telematik-System. Das kann in einer Baumaschine, einem Lkw oder einem Servicefahrzeug verbaut sein. Das Telematik-System sammelt über Bluetooth die Positionen der Klein-Geräte im Umkreis und sendet sie an den Server. Das gilt im Übrigen nicht nur für Kleingeräte, auch Anbaugeräte lassen sich damit ganz einfach erfassen. Es kommt ja immer wieder vor, dass auf der Baustelle etwas liegen bleibt.

Auch kleine Bauunternehmen profitieren von den Telematik Daten bei der Disposition ihres Fuhrparks.

Ab welcher Größe eines Bauunternehmens macht eine Telematik-Lösung Sinn?

Meschnig: Wir betreuen zahlreiche Unternehmen im Bau und kleinere Baufirmen haben nur zwei oder drei Geräte erfasst. Unabhängig ob Konzern oder kleineres Unternehmen Baufirma: am Ende eines Monats gibt es eine neue Version des Commanders mit den neuesten Features. Schließlich haben ja nicht nur die großen Firmen gute Ideen, auch Kleinbetriebe bringen immer wieder wertvolle Anregungen ein. Vielleicht ein Wort zur Kostenseite: Der finanzielle Aufwand setzt sich aus der einmaligen Investition in die Hardware und dem laufenden Betrieb mit monatlichen Lizenzen zusammen. Getrennt davon können Aufwände für spezielle Dienstleistungen, wie etwa eine Schulung oder der Einbau, falls vom Kunden gewünscht, entstehen.

 

Welche konkreten Vorteile erwarten Sie durch das Telematik-System im laufenden Betrieb?

Heiden: Der Schwerpunkt liegt ganz klar in der Optimierung der internen Betriebsabläufe. Ich denke, im nächsten Jahr werden bestimmte Bereiche diese Telematik-Informationen bereits als Grundlage für die interne Disposition verwenden können und damit über neue Möglichkeiten verfügen, den Geräteeinsatz zu optimieren. Das bedeutet in der Praxis weniger Maschinen für gleich viele Baustellen. Optimiert wird natürlich jetzt schon, aber hier liegt noch ein großes Potenzial. Ein weiterer wichtiger Punkt ist aus meiner Sicht, die Wartungsintervalle besser zu nützen. Wenn ich über die Information der Betriebsstunden verfüge, kann ich natürlich meine Wartungszyklen optimieren. Dazu kommt, dass wir bei allen Geräten mehr Informationen über die tatsächliche Auslastung erhalten. Ich denke, in Zukunft werden auch echte Leistungsdaten verfügbar sein, etwa über das konkret bewegte Erdbauvolumen der einzelnen Geräte. Nicht zuletzt ist die Telematik ein Vorsystem, auf das sich andere Systeme stützen werden. Daraus ergeben sich Synergien, die eine Grundlage für weitere Digitalisierungsschritte bilden. Ein Beispiel ist hier etwa das neue System Werkstatt 4.0, an dem wir aktuell arbeiten. In Österreich verfügen bereits alle unsere Servicefahrzeuge über eine Telematik-Ausstattung. Ab Herbst wird dieses System bei der ersten Werkstätte zum Einsatz kommen, mit dem Ziel die Werkstattprozesse zu optimieren. Auf Basis der bekannten Fahrzeugposition kann so eine Routenoptimierung zum nächsten Auftrag erfolgen. Und nicht zuletzt: Unser Maschinenpark ist in den letzten drei Jahren massiv gewachsen, bei fast gleichgroßer Mannschaft. Am Ende werden wir mit ähnlich vielen Mitarbeitern mehr Maschinen servicieren können.

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